Produktive Schreibaufgabe Lektüre: Tagebuch, Brief, Monolog, Dialog

· ⏱ Lesezeit wird berechnet
Produktive Schreibaufgabe – Tagebuch, Brief, Monolog, Dialog

In der Abschlussprüfung 2027 wird die Lektüre nicht mehr mit Inhaltsfragen abgefragt, sondern mit einer produktiven Schreibaufgabe: Tagebucheintrag, innerer Monolog, Brief oder Dialog aus Sicht einer Figur. Klingt kreativ – ist aber knallhart bewertet. Hier sind die vier Textsorten mit Checklisten, die Bewertung und die Fehler, die am meisten Punkte kosten.

Was wird verlangt?

Die Aufgabe nennt eine Situation aus dem Roman – zum Beispiel „Am Abend nach dem Streit schreibt die Hauptfigur in ihr Tagebuch“ – und meist zwei Aufgaben zur Wahl. Die Schülerinnen und Schüler versetzen sich in die Figur und schreiben in ihrer Stimme. Das Buch mit eigenen Randnotizen darf auf dem Tisch liegen.

RealschulabschlussHauptschulabschluss
Ort in der PrüfungTeil B, zur GanzschriftAufgabe 4, nach Fragen zum Textverständnis
Wahlzwei Aufgaben, die bessere zähltSchreibaufgabe mit Wahlmöglichkeit
Umfangrund 250 Wörter (Richtwert aus den Vorjahren)keine feste Wortzahl; rund 150 Wörter sind ein guter Richtwert
PunkteTeil B zusammen 40 P (voraussichtlich 20 für die Ganzschrift)8 P (amtlich)
Lektüren 2027„Weggesperrt“ oder „Windstärke 17“„Der Tunnelbauer“ oder „Über kurz oder lang“

So wird bewertet

Für die Realschule hat sich in den Vorjahren ein Raster mit drei Bereichen eingebürgert: Inhalt 12 Punkte, Form und Sprache 6, sprachliche Korrektheit 2. Verbindlich sind die Korrekturhinweise des jeweiligen Jahrgangs. Das Entscheidende: Der Inhalt zählt am meisten – und Inhalt heißt hier, dass alles zum Roman passt.

Wer weiß was? Die häufigste Punktefalle: Eine Figur „weiß“ im Text etwas, das sie an dieser Stelle im Roman noch gar nicht wissen kann. Deshalb lohnt sich bei jedem Leseabschnitt die Frage: Was weiß die Figur jetzt – und was noch nicht?

Die vier Textsorten mit Checkliste

Tagebucheintrag

  • Ort und Datum (oder „am Abend nach …“), Anrede wie „Liebes Tagebuch“ möglich
  • Ich-Form, Vergangenheit für das Erlebte, Gegenwart für Gefühle und Gedanken
  • Was ist passiert? Wie fühle ich mich? Was befürchte oder hoffe ich?
  • Sprache der Figur: Alter, Stimmung, typische Ausdrücke

Innerer Monolog

  • Ich-Form und Präsens – die Gedanken laufen gerade jetzt
  • kurze Sätze, Satzabbrüche, Fragen an sich selbst
  • keine Anrede, kein Datum, kein Rückblick über Tage
  • ein konkreter Moment aus dem Roman als Auslöser

Brief

  • Ort und Datum, Anrede, Gruß, Unterschrift
  • klarer Adressat aus dem Roman – der Ton passt zur Beziehung
  • Anlass nennen, Gefühle erklären, eine Bitte oder Frage am Ende
  • nur Wissen verwenden, das Absender und Empfänger an dieser Stelle haben

Dialog

  • Namen mit Doppelpunkt, kurze Regieangaben in Klammern
  • beide Figuren sprechen typisch für sich
  • ein echter Gesprächsverlauf mit Wendepunkt – kein Frage-Antwort-Spiel
  • Ende offen oder mit Entscheidung, passend zur Handlung

Die fünf teuersten Fehler

  1. Widerspruch zum Roman: falsche Namen, Orte, Reihenfolge – kostet beim Inhalt am meisten.
  2. Textsorte verfehlt: ein „Tagebucheintrag“ ohne Gefühle oder ein „innerer Monolog“ im Präteritum.
  3. Figur klingt wie die Schülerin selbst: Die Sprache muss zur Figur passen.
  4. Nacherzählung statt Innensicht: Es geht um Gedanken und Gefühle, nicht um den Handlungsablauf.
  5. Situation übersehen: Wer den genauen Zeitpunkt aus der Aufgabe ignoriert, schreibt am Thema vorbei.
Kostenloses Tool

Wie oft schafft deine Klasse die Schreibaufgabe noch?

Der Prüfungsplaner Deutsch 2027 zeigt dir Woche für Woche, welche Kapitel dran sind – und wo die Schreibaufgabe hinpasst.

So übst du es mit deiner Lektüre

Am wirksamsten: nach jedem Leseabschnitt eine kurze Schreibaufgabe – abwechselnd in allen vier Textsorten, immer mit Situation, Starthilfe und Checkliste. So hat die Klasse bis zur Prüfung zwölf- bis vierzehnmal geübt statt einmal. Anschließend eine Schreibkonferenz mit festen Rollen (Inhalt, Form, Sprache) – das schult den Blick für das Raster.

Genau so sind die Mr.-Iron-Lektüretrainings aufgebaut. Zu jeder Pflichtlektüre gibt es einen Artikel mit Inhalt, Unterrichtsplan und kostenloser Probe:

Häufige Fragen

Wie lang muss die Schreibaufgabe sein?

Für den Realschulabschluss sind rund 250 Wörter ein bewährter Richtwert aus den Vorjahren. Für den Hauptschulabschluss ist keine Wortzahl festgelegt; rund 150 Wörter sind ein guter Übungswert.

Darf man aus dem Buch zitieren?

Ein kurzes, passendes Zitat kann einen Text stark machen. Wichtiger ist aber, dass der Text in der Stimme der Figur bleibt und zum Roman passt.

Was bringt mehr Punkte: Tagebuch oder Brief?

Keine Textsorte ist besser. Wähl die Aufgabe, zu der dir zur Situation mehr einfällt – und deren Merkmale du sicher beherrschst.

Quellen: Kultusministerium Baden-Württemberg, Ausführungsbestimmungen zur Realschul- und Hauptschulabschlussprüfung 2027 vom 07.09.2026. Wortzahl und Raster der RSA-Schreibaufgabe nach den Prüfungen der Vorjahre; verbindlich sind die Korrekturhinweise des Jahrgangs. Stand: November 2026.